Mein Tour-Tagebuch 5

Montag, 5. August:
Ein kopfschüttelnder Fontane 

Über den BER sind, glaube ich, alle Witze gemacht worden, und weil der große Flughafen nicht fertig wird, haben die meisten inzwischen auch so’n Bart. Allerdings ist Humor ja nicht selten auch eine Reaktion auf etwas, das der Mensch nicht versteht. Und um ehrlich zu sein, sind die Aussagen, die wir über den Stand der Arbeiten bekommen, ja auch nicht immer nachvollziehbar. Auch deshalb habe ich angekündigt, dass ich als Ministerpräsident einen Sonderermittler am BER einsetzen werde, der die Öffentlichkeit dann auch tatsächlich umfassend und unabhängig informiert.

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Schönefeld liegt im Wahlkreis Dahme-Spreewald I unseres Landtagsabgeordneten Björn Lakenmacher, der auch am 1. September wieder für die CDU kandidiert. Er zeigt Team Ingo und mir, was rund um den Airport schon passiert. Mit dabei ist Olaf Damm, der sich ebenfalls am 1. September um das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Schönefeld bewirbt. Olaf Damm weiß, was im Ort los sein wird, sobald der BER eröffnet ist: „Dann explodiert der Verkehr hier.“ Schon heute ist ja alles auf Kante genäht. Es wird gebaut und gebaut. Mieten und Immobilienpreise steigen. Wir wollen verhindern, dass der Speckgürtel unter Wachstumsschmerzen leidet. Auch deshalb lehnen wir den Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion ab, den die Regierung mit dem Berliner Senat ausgehandelt hat. Diese Landesplanung ist in Wahrheit eine Wachstumsbreme. Sie setzt auch dort massiv auf Bauverbote, wo junge Familie gerne ein Häuschen errichten oder Unternehmer investieren wollen. So wird verhindert, was leicht möglich wäre: dass andere Brandenburger Regionen vom Boom in Berlin und im Umland profitieren.

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Jeder Kandidat hält seinen Wahlkreis natürlich für den schönsten. So soll das auch sein. Wer den schönsten See hat, steht indes relativ klar fest: Christian Schroeder, unser Mann für den Wahlkreis Dahme-Spreewald II/Oder-Spree I. Hier liegt der Scharmützelsee, und der wurde in einer Umfrage eines Tourismusportals bereits zweimal (2013 und 2018) zum schönsten See Deutschlands gekürt, im vorigen Jahr übrigens ganz knapp vor dem Chiemsee. Der Mann, der den Scharmützelsee „Märkisches Meer“ genannt hat, also unser aller Fontane, begegnet uns natürlich auch hier. Im Fontane-Park hat der Förderverein „Kurort Bad Saarow“ vor ein paar Monaten 16 Tafeln mit Zitaten des Heimatdichters aufgestellt – und fertig war Deutschlands erster Literaturpfad. Besonders gefällt mir der Satz: „Mehr als Weisheit aller Weisen galt mir reisen, reisen, reisen.“

Fontane war 1881 am Scharmützelsee unterwegs und wanderte anschließend weiter nach Groß-Rietz (Landkreis Oder-Spree). Uns zieht es 138 Jahre später nach Königs Wusterhausen. Der Grund für unseren Besuch ist eine Frage, über die Fontane, der nicht mal eine Schreibmaschine hatte, ganz sicher verständnislos den Kopf geschüttelt hätte: „Frisst die Digitalisierung unsere Werte?“ Im Jahr 2019 ist das aber eine berechtigte Frage. Wir lesen und schreiben E-Mails nach Feierabend, am Wochenende und selbst im Urlaub. Wir haben ein Leben in den sozialen Netzwerken und wollen dort eine gute Figur machen. Wir können auch permanent mit anderen diskutieren.

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Björn Lakenmacher, Christian Schroeder und ich haben einen tollen Gast an unserer Seite: Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, der auch Bundesvorsitzender der Christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) ist. Und wir probieren gemeinsam ein neues Format aus und diskutieren nach der sogenannten Fishbowl-Methode. Auf Deutsch sagt man: Innen-/Außenkreis-Methode. Ein Stuhl in unserer Runde bleibt frei, damit sich Gäste aus dem Publikum dazusetzen und jederzeit zu Wort melden können. Und das tun sie erfreulicherweise, fast zwei Stunden lang. Fazit: Die Digitalisierung begleitet uns nicht, sie ist uns schon weit voraus, und in Brandenburg schleichen wir ihr hinterher. Die Telemedizin könnte uns manchen weiten Weg zum Arzt ersparen und dem Landdoktor ebenso, eine digitalisierte Verwaltung viele Behördengänge, die E-Akte samt elektronischem Rechtsverkehr Gerichtsverfahren beschleunigen und unsere Richter und Staatsanwälte von Papierkram entlasten.

Die Brandenburger Wirklichkeit ist leider oft genug: das Funkloch und das langsame Internet. Deshalb versprechen wir in unserem Regierungsprogramm „Ganz Brandenburg wachsen lassen“, dass wir in Gemeinden ohne Empfang fehlende Funkmasten bauen. Wer 100 Prozent Tarif bezahlt, muss auch 100 Prozent Empfang haben!

Dienstag, 6. August:
Zwischen Gurken und Staken

Seit ich vor 20 Jahren zum ersten Mal in den Landtag gekommen bin, liegt mir die Bildung am Herzen. Ich habe manches erreicht, das mich bis heute stolz macht. Dazu gehört, dass wir in meiner Zeit als ehrenamtlicher Bürgermeister meiner Heimatstadt eines der ersten Bildungszentren gebaut haben. Kindergarten, Grund- und Oberschule sind in Ortsrand unter einem Dach; die Mädchen und Jungen bleiben vom ersten Kindergarten- bis zum letzten Schultag zusammen. Selbstverständlich habe ich in diesen zwei Jahrzehnten auch allerlei gesehen, das mich geärgert hat. Und das hört auch nicht auf, jetzt wo ich Spitzenkandidat meiner Partei für die Landtagswahl am 1. September bin.

Damit hereinspaziert ins Dorfgemeinschaftshaus Schönwalde. Gehen wir gleich mal in die Küche. Sie wollen jetzt sicher wissen, warum da so viele Bettchen stehen. Die einfache Antwort ist: weil in der Grundschule kein Platz für die Klassen 1a und 1b. Die Kinder haben deshalb im Dorfgemeinschaftshaus Unterricht und machen auch dort ihren Mittagsschlaf. Die ehrliche Antwort ist: weil wir viel zu lange den falschen Prognosen geglaubt haben, wonach Brandenburg schrumpft. Nicht nur Schönwalde erlebt Zuzug. Erstmals seit der Deutschen Einheit ziehen wieder mehr Menschen in unser Land als von hier weg. Es wachsen vor allem Regionen, die nach der Wende besonders von Abwanderung betroffen waren. Doch bei der rot-roten Regierung ist diese Nachricht noch nicht angekommen. Ihre gemeinsame Landesplanung mit dem rot-rot-grünen Berliner Senat setzt weiterhin darauf, dass nur ausgewählte Regionen wachsen sollen. Wer nicht dazu gehört, bekommt Bauverbote und muss junge Familien und Unternehmer, die investieren wollen, abweisen. Deshalb habe auch angekündigt, dass ich als Ministerpräsident diesen Plan umgehend kündigen und zum Wohle von ganz Brandenburg neu verhandeln werde.

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Schönwalde ist übrigens ein Ortsteil der Gemeinde Schönwald – sehr schön, oder? – und gehört zum Wahlkreis Dahme-Spreewald III unseres Kandidaten Olaf Schulze. Er ist leitender Polizeibeamter und will sich im Landtag neben der Sicherheit auch um die Bildung kümmern. Da wird er einiges zu tun bekommen.

Wir sind heute im Spreewald unterwegs – und das bedeutet: Gurken. Mit unserer Landtagsabgeordneten Roswitha Schier, die wieder im Wahlkreis Oberspreewald-Lausitz III/Spree-Neiße III kandidiert, besichtigen wir die Produktionsstätte der Firma Krügermann in Lübbenau. Das Familienunternehmen wurde 1896 gegründet. In der DDR wurde der Betrieb zwar zwangsenteignet, die Familie kaufte ihn aber nach der Wende wieder zurück und produziert seitdem wieder Senf-, Knoblauch-, Pfeffer-, Salz-, Dill-, Chili- und Gewürzgurken im Glas.

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Doch die Konkurrenz ist gewaltig, und sie arbeitet – ob in Osteuropa oder der Türkei, in Vietnam oder Indien – billiger. Einen Preiskampf können wir nicht gewinnen. Wir können nur besser sein und die Verbraucher davon überzeugen, dass es sich lohnt, für Regionales ein bisschen mehr zu bezahlen. Deshalb werden wir eine Brandenburger Marke für alle landwirtschaftlichen Produkte etablieren, damit der Verbraucher Lebensmittel aus der Region auf den ersten Blick erkennt.

Team Ingo hat sich für mich mal wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Im Tourplan steht: „Ingo beobachtet, übernimmt das Ruder und lernt Staken.“ Darauf lasse ich mich gern ein. Der Fährmann erzählt mir dann aber, wie er das Staken gelernt hat: Er war zunächst 100 Stunden mit einem erfahrenen Fährmann unterwegs und begann anschließend seine Ausbildung. Ich weiß nicht, ob ich ein Naturtalent bin oder mein Lehrmeister ein Ass ist: Aber ich schaffe es, den Kahn auf Kurs zu halten. Was im Tourplan übrigens nicht stand: Team Ingo amüsiert sich und isst Schmalzstullen und Gurken.

Mittwoch, 7. August:
Ein Puppenhaus und freche Kinder

Michael Möckel ist ein Frankfurter Junge durch und durch. Er ist in der Stadt geboren und hat an der Europa-Universität Viadrina sein Studium der Kulturwissenschaften abgeschlossen. Er engagiert sich seit vielen Jahren in der Kommunalpolitik, hat aber auch in Schweden für die Kirche gearbeitet. Ich finde, das macht ihn zu einem würdigen Landtagskandidaten für den Wahlkreis Frankfurt (Oder) und diese besondere Brandenburger Stadt, in der sich Tradition und Moderne, Heimat und Welt jeden Tag begegnen. Die Wähler wären bei ihm in guten Händen – und wir sind das heute übrigens auch. Denn als Buchhändler und Vielleser besitzt Michael Möckel ein Gespür für Geschichten. Deshalb hat er Team Ingo und mir auch empfohlen, die Kameraden in Kliestow zu besuchen, eine von acht Löschgruppen der Frankfurter Feuerwehr.

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Da ist zum Beispiel diese Puppenstube. Der Innenarchitekt hat ganze Arbeit geleistet: Neben der Couch steht eine Leselampe und im Kinderzimmer ein Doppelstockbett. Ganz viel Holz auf drei Etagen. Da schlägt zwar nicht unbedingt das Herz des Maurers, der ich mal war, aber doch das des Vaters von drei Töchtern, der ich bin. Die Puppenstube ist aber ein Rauchdemohaus. Der Qualm lässt sich steuern, und wenn die Kameraden den Kindern das vorführen, erkennen die irgendwann: Aufräumen muss sein, weil sonst die Fluchtwege versperrt sind. Ich sag zu Hause auch immer: „Die Schuhe gehören ins Schuhregal!“ Seht ihr, Papa hat recht.

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Und dann ist da noch dieser Vorführ-Löschcontainer. Die Kliestower Kameraden haben ihn selbst entworfen und gebaut. Eine Küche. Ein Gasherd. Eine Pfanne mit viel Öl. Und eine lange Fensterfront, damit die Zuschauer von draußen gut zugucken können. Wenn das Öl zu heiß wird, steht die Pfanne in Flammen. Und nun? Erster Gedanke: Feuer löscht man mit Wasser. Denkste! Bumm! Ganz schlechte Idee! Deckel drauf ist richtig. Man kann so etwas Kindern (und Erwachsenen) auch wortreich erzählen, aber wenn sie es mit eigenen Augen sehen, hat das natürlich eine andere Wirkung. Das sagt jemand, der spät abends, wenn er nach Hause kommt, im Flur regelmäßig über Schühchen stolpert.

Apropos Kinder: Einst steckten die kleinen Kliestower ihre Stöckchen durchs Gitters des Wachhauses und piesackten die Betrunkenen, die von der Kneipe gegenüber dort eingekehrt waren, um auszunüchtern. Erst als sich 1905 die Feuerwehr gründete und ins Wachhaus einzog, war mit dem Spaß Schluss. Heute spielt sich der Alltag im neueren Gebäude nebenan ab – oder sagen wir besser: im noch nicht ganz so alten. Es steht da nämlich auch schon seit 105 Jahren und hat Risse im Fundament. So ergeht es nicht nur den Kliestowern. Viele Feuerwehrgerätehäuser bei uns im Land sind in die Jahre gekommen. In unserem Regierungsprogramm „Ganz Brandenburg wachsen lassen“ steht deshalb auch, dass wir das Infrastrukturprogramm für die Sanierung dieser Gebäude fortsetzen werden.

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Rechtzeitig vor der Wahl hat die rot-rote Landesregierung den Freiwilligen Feuerwehren, dem Katastrophenschutz und dem THW im Land gerade die sogenannte Retterprämie versprochen, was die Kliestower eigentlich nett finden. 200 Euro pro Jahr soll jeder bekommen. Dafür muss er 40 Stunden Dienst schieben und das auch nachweisen. Wer das nicht schafft, weil er länger krank oder auf Montage war, hat Pech gehabt und geht leer aus. Mein Gegenvorschlag ist: Wir legen eine Pro-Kopf-Prämie fest und geben das Geld dann der Feuerwehr direkt. Und die Kameraden vor Ort entscheiden selbst, was damit passiert, ob sie das Geld verteilen, es sparen oder etwas davon kaufen, das ihre Wehr braucht. Es muss doch nicht immer alles zentral aus Potsdam geregelt werden.

Ich finde, wir müssen unsere Kameraden auch entlasten. Die Kliestower sind zum Beispiel für den Autobahnabschnitt von Müllrose bis zur polnischen Grenzen zuständig. Nur fünf bis sechs Minuten haben sie für das Ausrücken Zeit, und bisher haben sie das immer geschafft. Aber wenn ein Sattelzug auf einen Kleinwagen gekracht ist und die Insassen schnell herausgeschnitten werden müssen, geraten sie mit ihrer Technik an Grenzen. Wir brauchen neben der Autobahn-Polizei längst auch eine Autobahn-Feuerwehr. Wenn wir nach dem 1. September in Regierungsverantwortung sind, werden wir diese Möglichkeit sehr ernsthaft prüfen.

Noch eine letzte Geschichte aus Kliestow: Die Wehr besitzt einen Radlader, und der wird bei besonderen Einsätzen gebraucht, wie vor einiger Zeit, als ein LKW mit 125 Tonnen Hühnerinnereien umgekippt war. Obwohl’s ewig her ist, erinnere ich mich noch gut daran, wie ich das erste Mal auf einem Radlader saß. Das Ding hat mich so durchgerüttelt, dass ich am Abend auf der Couch das Gefühl hatte, ich säße immer noch drauf.

Donnerstag, 8. August:
Eine coole Socke als Mutmacher

Was für ein Name: Hermann Ludwig Heinrich Graf von Pückler-Muskau. Was für eine Vita: Uni-Abbrecher, Graf, Rebell, Generalleutnant, Landschaftsgärtner, Schriftsteller und Weltreisender. Verheiratet war er auch, eine Weile jedenfalls, dafür allerdings mit einer neun Jahre älteren Frau. Er hat ein Leben lang sein Ding und vieles andere gemacht, darunter auch Schulden, vor denen er dann gen England floh. Die jungen Leute vom Team Ingo meinen, der Fürst aus dem 19. Jahrhundert war ein sehr früher Dude. Mehr Anerkennung geht kaum. Ich übersetze das trotzdem mal: Coole Socke haben wir früher gesagt. Ein Wahnsinniger war Pückler ohne Zweifel, aber eben auch ein landschaftskünstlerisches Genie, das uns in Brandenburg ein Meisterwerk hinterlassen hat: den nach ihm benannten Park im Cottbusser Ortsteil Branitz.

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Am Schloss, dem einstigen Wohnsitz Pücklers, beginnen wir heute mit dem Cottbusser Kandidaten Wolfgang Bialas unseren Tourtag. Wir sehen stattliche Rotbuchen, künstliche Gräben, eine Pyramide als Grabstätte. Um das zu erschaffen, hatte Pückler übrigens auch von weit her fruchtbareren Mutterboden auf Ochsenkarren heranfahren lassen. Als dann alles fertig war, öffnete er den Park für die Öffentlichkeit, und das Volk staunte und schüttelte vielleicht auch den Kopf. Seine Vision hat aber überlebt und ist heute, 150 Jahre später, eine Lausitzer Attraktion.

Visionen – und den Glauben daran – braucht die Lausitz auch jetzt. Das machen mir Wolfgang Bialas und Michael Schierack am Aussichtsturm Merzdorf deutlich. Wir blicken auf den ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord, im Hintergrund dampfen die Kühltürme von Jänschwalde. 2015 fuhr der letzte Kohlezug aus dem Tagebau – und jetzt wächst dort etwas Neues heran: der Ostsee. Zugegeben, man sieht eher eine sehr überdimensionierte Pfütze. Aber in den nächsten Jahren entsteht hier der größte künstliche See Deutschlands – und ringsum ein neuer Stadtteil. Ein Stück Zukunft in der Region.

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Die Cottbusser – und nicht nur sie – schauen besonders auf das, was der Lausitz mit dem Ausstieg aus der Braunkohle bis 2038 bevorsteht: ein neuerlicher Strukturwandel. Gut bezahlte Arbeit wird verschwinden, neue muss her. Das sind große Veränderungen, und ich kann verstehen, dass es schwerfällt, sich vorzustellen, wie das gelingen kann. Aber wir haben Zeit und Geld. Es gibt Fördermittel, es gibt ein Konzept und Gesetze. Allein der Bund unterstützt die Region in den nächsten zwei Jahrzehnten mit 17 Milliarden Euro. Hinzu kommt die Aufmerksamkeit, und auch die ist ja einiges wert. Ich bin selbst Lausitzer und ärgere mich darüber, dass uns bestimmte Leute im Land Angst machen wollen. Sie sagen damit übrigens auch: Wir trauen euch nichts zu.

Wir als CDU glauben daran, dass die Lausitzer es hinkriegen, und werden sie dabei unterstützen. Deshalb siedeln wir in der Region ein Lausitz- und Innovationsministerium an, das die Entwicklungen begleitet. Einen möglichen Standort haben Wolfgang Bialas und Michael Schierack schon ausgemacht. Noch braucht es ein bisschen Fantasie, um sich vorzustellen, dass hier einmal Landesbeamte arbeiten. Ich vermute, Fürst Pückler hätte gleich losgelegt.

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Freitag, 9. August:
Ein doppeltes Denkmal

Heute ist der vorletzte Tag meiner Bock auf Brandenburg-Tour – und wir steigen noch mal aufs Rad. Klar, Raik Nowka, unser Kandidat für den Wahlkreis Spree-Neiße II, ist ja auch unser Fachmann für Gesundheit. Seit er vor fünf Jahren in den Landtag eingezogen ist, hat er übrigens gezeigt, wie viel man auch aus der Opposition heraus bewirken kann. Er war einer derer, die hartnäckig darauf hingewiesen haben, dass wir überall in Brandenburg die kleineren Krankenhäuser brauchen, um im ländlichen Raum die medizinische Grundversorgung zu erhalten. Mittlerweile sieht es die Landesregierung ja auch so.

Wir sind mit ihm in seiner Geburts- und Heimatstadt Spremberg unterwegs und halten dort, wo einst der sechs Meter hohe Obelisk für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges stand. Eine tragikomische Geschichte. Der damalige Landrat ordnete 1946 an, das Denkmal zu schleifen, und bis heute ist nicht klar, warum. Wollte er den Siegern gefallen? Oder deutete er eine Direktive der Alliierten bloß falsch? Tatsächlich war es so, dass die Alliierten nur die Beseitigung von Denkmälern verlangten, die nach dem 1. August 1914 gebaut worden waren. Der Obelisk wog jedenfalls zu viel, um abtransportiert zu werden, und wurde daher verbuddelt. In den siebziger Jahren ließ man den Ort dann noch unter einer Aussichtsterrasse im sozialistischen Chic – Gehwegplatten aus Waschbeton – verschwinden. Man kann davon ausgehen, dass der Irrtum von 1946 noch ein bisschen besser versteckt werden sollte.

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Vor eineinhalb Jahren haben engagierte Spremberger, darunter Mitglieder des Georgenberg-Vereins, die ersten Überreste ausgegraben. Im Juli wurden bei einer zweiten Suche der untere Sockel und das Brustgesims entdeckt. Wie es weitergeht, ist offen. Zwar hat sich die Stadt Spremberg für den Wiederaufbau des Obelisken ausgesprochen. Doch das Landesamt für Denkmalpflege ignoriert diesen Wunsch und will lieber die Terrasse bewahren, weil die ein erhaltungswürdiges Bauwerk der DDR sei. Wir wollen, dass sich Bürger für ihre Heimat engagieren und Verantwortung tragen. Die Spremberger tun das – und werden von oben ausgebremst.

Es sorgt für Unmut und Verdrossenheit, wenn Menschen vor Ort den Eindruck haben, die Politik wisse alles besser und regiere aus Potsdamer Amtsstuben über sie hinweg. Wir brauchen mehr Dialog und mehr Beteiligung. Wenn die Brandenburger bei politischen Entscheidungen mitreden können, wächst auch das Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Dafür werde ich mich als Ministerpräsident Brandenburgs einsetzen.

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Nur ein Stück entlang der Spree, ganz anderes Thema, aber auch kein erfreuliches: Hochwasserschutz. Wir erleben immer häufiger Wetterextreme – und schaffen es nicht, uns darauf vorzubereiten. Ich erinnere mich an einen Besuch an der Schwarzen Elster genau an der Landesgrenze zu Sachsen. Wir konnten exakt bestimmen, wo noch Brandenburg ist und wo schon Sachsen. Unser Nachbarland hatte nach dem vergangenen Hochwasser ruckzuck alle Schwachstellen beseitigt, Brandenburg nicht. Warum kriegen die Sachsen es hin, auf das nächste Hochwasser vorbereiten zu sein, und wir nicht? Antwort: Weil die schneller planen als wir. Die Planung für den neuen Deich, den wir mit Raik Nowka besichtigen, dauert sieben Jahre. Es ist schon absurd, dass bei uns im Land so vieles erst nach der übernächsten Landtagswahl fertig werden soll. So viel Zeit und so wenig Ehrgeiz muss man erst mal haben.

Samstag, 10. August:
Danke, Brandenburg!

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Vom höchsten Berg zur höchsten Erhebung und dazwischen einmal im Uhrzeigersinn durchs ganze Land, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und unsere Heimat noch einmal anders kennenzulernen: Das ist der Plan meiner Bock-auf-Brandenburg-Tour gewesen. Mit diesem Ziel sind Team Ingo und ich am 30. Juni in Großkmehlen, am Fuße des Kutschenbergs, losgewandert. Nun liegt sie vor uns, die Heidehöhe mit ihrem Aussichtsturm. Nach so vielen Schritten fehlen nur noch ein paar.  

„Der Weg ist das Ziel“, hat Konfuzius gesagt und damit gemeint: Es geht nicht so sehr darum, was du am Ende deiner Reise erreichst. Worauf es ankommt, ist das, was du unterwegs erlebst, was du lernst und für dich selbst und dein Leben mitnimmst. Kluger Mann. Team Ingo sagt: „Konfuzius schön und gut, Chef. Aber der wusste auch nicht, wie groß Brandenburg ist.“

Team Ingo: immer das letzte Wort, vom ersten bis zum letzten Tourtag. Das wird mir fehlen. 

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Auf den Gipfel des 201 Meter hohen Kutschbergs hatte uns der 83 Jahre alte Horst Müller geführt. Heute machen wir den Aufstieg auf die 40 Zentimeter höhere Heidehöhe mit einem 35-Jährigen:  Sebastian Rick ist Historiker und ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Gröden. Der jüngste Ortschef der CDU in Brandenburg war er auch schon. Am 1. September kandidiert er für den Wahlkreis Elbe-Elster II. Auf geht’s!

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Team Ingo und ich haben viel miteinander erlebt. Wir sind 250 Kilometer zu Fuß gewandert und 310 Kilometer mit dem Rad gefahren. Wir haben 70 Kilometer auf dem Wasser zurückgelegt, 25 mit der Draisine und sieben mit der Kutsche. Unterm Strich sind das 662 Kilometer durch Brandenburg. Vor allem aber haben wir jeden Tag herzliche und interessante Brandenburgerinnen und Brandenburger getroffen. Menschen mit Sorgen und Mut, mit Ideen und Enttäuschungen, mit Träumen, Fragen und Hoffnungen. Sie haben mich in ihr Haus und auf ihren Hof gelassen, mir gezeigt, wie sie arbeiten und leben, sie haben mir ihre Meinung gesagt und mir zugehört, vieles so gesehen wie ich und manches anders. 

Dafür sage ich Danke. Danke, Brandenburg!

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