Mein Tour-Tagebuch 4

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mein tour-tagebuch:
21. Juli - 27. Juli

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Sonntag, 21. Juli:
Zwischen Hanf und Himmelpfort


Eine Schule hält Dornröschenschlaf – und das schon seit mehr als zwei Jahrzehnten. Pssst. Mag sein, dass wir uns das nur einbilden, aber vielleicht sind unsere Schritte sanfter und unsere Stimmen leiser als sonst. Wollen wir die Ruhe nicht stören? Doch, eigentlich schon, wenn auch nicht heute. Aber bald soll das einstige Joachimsthalsche Gymnasium wieder dort zum Leben erweckt werden, wo es von 1912 bis 1956 zu Hause war: in Templin. Später beherbergte das imposante Gebäude das Institut für Lehrerbildung und zwei Fachschulen. Seit 1996 schlummert es.
 
Doch 2023 soll das Gymnasium wieder öffnen – als Europäische Schule. Davon gibt es bislang nur 13, und keine befindet sich in Ostdeutschland oder Osteuropa. Die Schüler können ein Europäisches Abitur machen und damit in allen 28 EU-Staaten, in Kanada, den USA und der Schweiz studieren. Eine solche Bildungsstätte bei uns in Brandenburg, das wäre etwas!

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Eine Stiftung und der Schulförderverein sammeln Spenden. Doch ohne das Land wird der Umbau nicht zu stemmen sein. Wir als Brandenburger CDU unterstützten dieses Vorhaben. Für ein bürgernahes, lebendiges Europa brauchen wir neben dem Erlernen anderer Sprachen und Städtepartnerschaften auch Begegnungen von jungen Brandenburgern mit Gleichaltrigen anderer Länder. Gemeinsam mit unserer Direktkandidatin im Wahlkreis Uckermark III/Oberhavel IV, Annett Polle, unterzeichne ich meinen ersten Vertrag für die Zeit nach dem 1. September. „Wir für das Projekt Europäische Schule Templin (EST): Damit hier die europäische Jugend für eine gute Zukunft lernen kann.“

Ich habe ja als Bildungspolitiker angefangen, 1999 war das, als dieser junge Kerl Mitte 20, der ich damals war, zum ersten Mal in den Landtag gewählt wurde. 20 Jahre später sieht es im Land so aus: 300.000 Unterrichtsstunden fallen pro Schuljahr aus. Und wussten Sie, dass die Stillbeschäftigung – Schüler bekommen Aufgaben, aber der Lehrer ist nicht im Klassenzimmer – als „vertreten“ gilt? Ist so, zumindest in Brandenburg. In gut zwei Wochen, am 3. August, werden wieder 20.000 junge Brandenburger eingeschult. Wir wissen jetzt schon, dass 1000 von ihnen die Schule ohne einen Abschluss verlassen werden – jedenfalls dann, wenn es so weiter geht wie in den vergangenen Jahren. Wir werden uns besser um Kinder mit Lernschwierigkeiten oder sozialen Problemen kümmern und keinen Schüler zurückgelassen.

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Zehdenick in Oberhavel. Ein besonderer, toller Ort. Das weiß die (literarische) Welt spätestens seit dem Buch „Deutschboden: Eine teilnehmende Beobachtung“ des Reporters Moritz von Uslar. Uslar hatte sich vor zehn Jahren in der Stadt einquartiert, um mit den Zehdenickern seine Zeit zu verbringen, und es wurde „eine der besten meines Lebens“, wie er schreibt. „Die Menschen, die mir bei meinen Recherchen begegnet sind, habe ich als gute Menschen kennengelernt.“


Klingt toll. Also, auf nach Zehdenick! Wir treffen Manuela Ludwig, die Geschäftsführerin der Fima Bioformtex. In einer sanierten DDR-Fabrikhalle stehen Maschinen, die teilweise 80 bis 90 Jahre alt sind und dank neuer Teile einwandfrei funktionieren. Produziert werden Vliese und Matten aus Naturfasern, vor allem Hanf. Was die Geschäftsführerin vor allem ärgert, ist die Bauordnung. Brandenburg hat tatsächlich eine kompliziertere als die meisten anderen Bundesländer. Und richtig kompliziert wird sie, wenn jemand auf Holz oder spezielle Baustoffe wie Hanf setzt. Wir werden diese Bauordnung deshalb vereinfachen und entbürokratisieren. Auch gesetzliche Auflagen überprüfen wir.

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Unsere teilnehmende Beobachtung verlegen wir jetzt nach Himmelpfort. Dort lebt der wahrscheinlich bekannteste, aber ganz sicher beliebteste Brandenburger, jedenfalls ist er ganz eindeutig einer von uns: der Weihnachtsmann, wohnhaft in 16798 Himmelpfort. 277 .200 Wunschzettel sind im vergangenen Jahr bei ihm eingetroffen, und der Weihnachtsmann und seine Helfer haben wie immer jeden Brief beantwortet. Eine Wahnsinnsleistung, ihr fleißigen Himmelpforter!   
Dort steht auch ein bedeutendes Baudenkmal aus dem Mittelalter, das vor 15 Jahre abgebrannte Brauhaus. Die Bürgerstiftung Kulturerbe Himmelpfort hat sich an den Wiederaufbau gemacht und plant in den nächsten drei, vier Jahren, daraus einen Ort für Kultur zu machen. Bund und Land helfen bereits beim Wiederaufbau mit Fördermitteln. Hinzu kommen Bürger, Unternehmer und private Institutionen, die das Vorhaben mit Spenden unterstützen. Arno Sommer, einer der 70 Gründungsstifter, führt uns über das Gelände entlang des jahrhundertealten Mauerwerks, das gerade restauriert wird. Dem gelernten Maurer in mir geht natürlich wieder das Herz auf.

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Montag, 22. Juli:
Ein eifersüchtiges Schaf und ein Halt in Grünow

Ich habe mich von der Truppe entfernt. Muss ja auch mal sein. Man kennt es von Fußball-Weltmeisterschaften. Lagerkoller und so. Heutzutage büxen die Jungs nicht mehr aus, nach allem, was man hört und liest, wahrscheinlich weil sie ihre Playstation mitnehmen müssten. Aber meine Idole, Litti und Toni Schumacher, die kletterten noch übern Zaun und waren dann für ein paar Stunden weg. Ganz so ist es bei mir natürlich nicht. Ich bin zwar ohne Team Ingo unterwegs, aber auf dem Weg zu meinen Unterstützern, die mich mit unserem Kandidaten Andreas Meyer im Wahlkreis Uckermark I erwarten. Gerade habe ich in Ortrand mit meinen Eltern gefrühstückt und ein Interview gegeben. Jetzt mache ich für den Fotografen noch einen Stopp bei einer besonderen Brücke auf der A13 zwischen Settinchen und Gollmitz. Es war die letzte Brücke, an der ich mitgearbeitet habe. Fertigbauen konnte ich sie nicht mehr, weil die Lausitzer mich, den Brückenbauer, zwischendrin in den Landtag gewählt hatten. Aber die Autobahnbrücke hält bis heute.

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Im Wahlkreis von Andreas Meyer liegt das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, eines der größten Schutzgebiete Deutschlands. 240 Seen, tausende Moore, riesige Wiesen und Äcker hat uns die Eiszeit vor 12.000 Jahren hinterlassen. Das Erlebniszentrum Blumberger Mühle des Naturschutzbundes in Angermünde leitet seit mehr als vier Jahren Dr. Aija Torkler. Die Geografin führt uns und erzählt: von den 6.000 Kranichen, die über das Gelände fliegen, dem Baltischen Stör, der wieder gezüchtet wird, und von einem besonderen Schaf. Waldemar wird hier aufgezogen, hört nur auf seine Betreuerin und reagiert auf ihre Streicheleinheiten für andere Schafe extrem eifersüchtig. Echte Liebe!

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Grünow? Da war doch was, oder? Genau, da mache ich auch Halt, behauptet das Ingo-Lied. Und es stimmt. Wir besuchen nämlich den Naturbauernhof von Lutz Gierke in Grünow, Ortsteil Drense. Es gibt ein zünftiges Abendbrot mit lauter Leckereien, die von diesem Hof kommen. Das ist natürliche Landwirtschaft. Auch wir wollen, dass wieder mehr auf den Tisch kommt, was in der Region gewachsen ist. Für unsere jungen Brandenburger werden wir das auch finanziell fördern, damit es in Kindergärten und Schulen ein gesundes regionales Mittagessen gibt. So stärken wir unsere Landwirte und sorgen für mehr gesunde Ernährung.

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Dienstag, 23. Juli:
Der eiserne Vorhang in der Uckermark

Die Uckermark ist unser größter Landkreis und nach der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin der am dünnsten besiedelte. Ich finde die Uckermark ja so schön, dass ich hier sogar gern mit meiner Familie Urlaub mache. Heute sind wir in diesem Schönheitsfleck schon den dritten Tag unterwegs, was freilich nicht daran liegt, dass mir Team Ingo gefallen will. Wir haben neben Annett Polle und Andreas Meyer auch noch eine dritte Kandidatin für die Landtagswahl am 1. September: Silke Nessing im Wahlkreis Uckermark II.

Mit ihr besuchen wir die Uckermärkischen Bühnen Schwedt, eines unserer zwei Landestheatern und in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes. Regelmäßig gibt es zum Beispiel Stücke für Kinder auf Deutsch und Polnisch, was dazu führt, dass im Zuschauerraum ständig abwechselnd gelacht wird: einmal über die Scherze auf Deutsch, a raz z tych po polsku. So erzählt es uns der Hausherr, der selbst ein Unikat ist. Seit fast 28 Jahren leitet Reinhard Simon das Theater und ist damit der dienstälteste Intendant Deutschlands. Es ist mir eine Ehre, diesen Mann noch einmal zu treffen. Es sind nämlich seine letzten Wochen im Amt.

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Reinhard Simon zeigt uns auch die Odertalbühne, auf der im Sommer Veranstaltungen unter freiem Himmel stattfinden. Die Sonne können die Besucher zwar nicht direkt untergehen sehen, das geschieht hinter ihrem Rücken. Dafür gehört die Alte Oder quasi zum Bühnenbild. Und im Großen Saal gibt es sogar einen Vorhang aus Eisen, der in Schwedt produziert wurde und für die Zuschauer unsichtbar ist, weil er dem Brandschutz dient.

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Apropos Eiserner Vorhang: Gleich nachdem der echte 1990 gefallen war, packten Naturschützer aus Deutschland und Polen gemeinsam an. In den folgenden Jahren erschufen sie etwas Gemeinsames. Auf der brandenburgischen Seite entstand der Nationalpark Unteres Odertal, auf der anderen Seite des Flusses der Cedynski Park Krajobrazowy, der Landschaftsschutzpark Zehden. Wir pflegen mit Polen schon eine gute Partnerschaft, aber ausbaufähig ist sie allemal. Als Ministerpräsident werde ich mich jedenfalls dafür einsetzen, dass mehr Brandenburger Schüler Polnisch lernen und sie im Unterricht häufiger die Kultur und Geschichte unserer Nachbarn behandeln. Auch mehr Städtepartnerschaften wünsche ich mir.

Den Abend verbringen wir in geselliger Runde mit einer Brandenburgischen Schlachteplatte. Schmeckt erstaunlich gut.

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Mittwoch, 24. Juli:
Hoch hinaus in den Brandenburger Alpen

Wir haben mit unseren Kandidaten auf dieser Tour schon viele Landwirte getroffen und manchen Hof besucht. Heute treffen wir einen Kandidaten, der selbst Landwirt ist. Im Wahlkreis Ostprignitz-Ruppin I tritt für uns Sven Deter an, der mit seiner Familie eine Landwirtschaftsgesellschaft betreibt. Der Wulkower kündigt uns etwas Besonderes an, wir werden nämlich den deutschen Alpenverein besuchen und dann klettern. Ja, den Alpenverein. Hier bei uns in Brandenburg. Wir sind gespannt, was da kommt, müssen uns aber noch ein bisschen gedulden. Denn noch liegen gut 25 Kilometer auf dem Rhinradweg vor uns. Super Cliffhanger, lieber Sven Deter! 
Schwer zu sagen, woran es liegt, ob an der holprigen Strecke oder den klapprigen Rädern, die Team Ingo diesmal mitgebracht hat: Aber diese 25 Kilometer haben es in sich. Mit anderen Worten: eine recht rustikale Sache, das Radeln diesmal. Unterwegs erklärt mir unser Kandidat, warum wir klettern werden: Jemand, der Brandenburgs Ministerpräsident werden will, muss hoch hinaus können. Na klar!

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Der Kletterpark befindet sich im historischen Wasserturm von Neuruppin. 250 Quadratmeter, fünf, acht und 15 Meter hohe Kletterwände. Draußen gehen die Routen über 18 Meter. Fast 1,3 Millionen Mitglieder hat der deutsche Alpenverein. Sieben der 356 Sektionen sind bei uns im Land, in Cottbus, Hohenbocka und Frankfurt, in Guben, Potsdam, Wiesenburg und natürlich Neuruppin. Die Neuruppiner Sektion ist mit 123 Mitgliedern die fünftkleinste in Deutschland. Aber ihre Kletterer waren schon auf dem Schweizer Bishorn (4153 m) und dem Kilimandscharo (5895 m). Gut, also wir haben vor dreieinhalb Wochen den Kutschenberg (201 m) bezwungen. Eine historische Leistung, die die Kletterer-Szene bisher viel zu wenig gewürdigt hat, zumal das Wetter an diesem Tag wirklich alles andere als ideal war.
Kurze Einweisung. Die Kraft kommt aus den Beinen, nicht aus den Armen. Sicherungsseil ran. Wer hält das denn gleich und sichert mich? Die Suche gestaltet sich zunächst schwierig, aber das liegt ausschließlich daran, dass jeder vom Team Ingo lieber selbst klettern will. Es finden sich dann doch Freiwillige. Auf geht’s!
Auch deshalb bin ich auf Tour gegangen: um unser Brandenburg anders zu erkunden, neu zu sehen. Nicht die offizielle Ausgabe, die jeder Politiker kennt, das Amtsstuben-Brandenburg. Nicht vorfahren, aussteigen und reingehen. Ja, Neuruppin ist Fontane – und zugleich so viel mehr. Unsere Heimat ist genauso: bunt, vielfältig und unterschiedlich, manchmal auch gegensätzlich und widersprüchlich. Jede Region ist besonders, jede Brandenburgerin und jeder Brandenburger ebenso. Wer an Gleichmacherei, gesteuert aus Potsdam, glaubt, der will das alles nicht sehen.
Danke fürs Sichern, Team Ingo!

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Vor 25 Tagen sind wir in meiner Lausitzer Heimat zur Bock auf Brandenburg-Tour aufgebrochen. Entfernung nach Hause heute: gut 260 Kilometer. Heimweh? Hmm, sagen wir: hin und wieder Sehnsucht. Aber als wir das Landesjugendlager der Feuerwehren in Wusterhausen/Dosse besuchen, läuft mir tatsächlich und ganz zufällig die Heimat über den Weg. Mehr als 600 Kinder verbringen hier eine Woche, sogar aus dem Saarland, aus Russland und Finnland sind sie angereist. Und: aus der Lausitz. Vertraute Mundart und bekannte Gesichter. Toll, dass ihr mitmacht!
Die Kinder- und Jugendarbeit ist wichtig für unsere Freiwilligen Feuerwehren und den Brand- und Katastrophenschutz überall in Brandenburg. Doch längst brauchen unsere Retter selbst Hilfe. Das beginnt schon bei der Ausrüstung, die selbstverständlich sein wollte, aber oft genug fehlt oder veraltet ist. In unserem Regierungsprogramm versprechen wir deshalb, dass mit uns jeder Helfer seine persönliche Schutzausrüstung bekommt. Dramatisch gesunken ist die Zahl der Frauen und Männer, die sich in der Feuerwehr engagieren: Wir hatten 2003 noch 50.000 Freiwillige (2003), heute sind es weniger als 38.000. Wir müssen mehr tun, um Nachwuchs zu gewinnen, und werden damit früher beginnen, indem wir eine Kinderfeuerwehr gesetzlich verankern. So können schon fünfjährige Mädchen und Jungen in das Feuerwehrleben hineinschnuppern und sich daran begeistern. Sie lernen so ganz nebenbei Wesentliches fürs Leben, nämlich Anstand und Kameradschaft. Auch das können wir auf dem Rundgang beobachten: Alles im Camp ist picobello sauber, und zur Essenausgabe geht man in Zweierreihen.

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Mittwoch, 24. Juli:
Höchste Ansprüche und Heimatgespräche

Wir haben mit unseren Kandidaten auf dieser Tour schon viele Landwirte getroffen und manchen Hof besucht. Heute treffen wir einen Kandidaten, der selbst Landwirt ist. Im Wahlkreis Ostprignitz-Ruppin I tritt für uns Sven Deter an, der mit seiner Familie eine Landwirtschaftsgesellschaft betreibt. Der Wulkower kündigt uns etwas Besonderes an, wir werden nämlich den deutschen Alpenverein besuchen und dann klettern. Ja, den Alpenverein. Hier bei uns in Brandenburg. Wir sind gespannt, was da kommt, müssen uns aber noch ein bisschen gedulden. Denn noch liegen gut 25 Kilometer auf dem Rhinradweg vor uns. Super Cliffhanger, lieber Sven Deter!

Schwer zu sagen, woran es liegt, ob an der holprigen Strecke oder den klapprigen Rädern, die Team Ingo diesmal mitgebracht hat: Aber diese 25 Kilometer haben es in sich. Mit anderen Worten: eine recht rustikale Sache, das Radeln diesmal. Unterwegs erklärt mir unser Kandidat, warum wir klettern werden: Jemand, der Brandenburgs Ministerpräsident werden will, muss hoch hinaus können. Na klar!

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Der Kletterpark befindet sich im historischen Wasserturm von Neuruppin. 250 Quadratmeter, fünf, acht und 15 Meter hohe Kletterwände. Draußen gehen die Routen über 18 Meter. Fast 1,3 Millionen Mitglieder hat der deutsche Alpenverein. Sieben der 356 Sektionen sind bei uns im Land, in Cottbus, Hohenbocka und Frankfurt, in Guben, Potsdam, Wiesenburg und natürlich Neuruppin. Die Neuruppiner Sektion ist mit 123 Mitgliedern die fünftkleinste in Deutschland. Aber ihre Kletterer waren schon auf dem Schweizer Bishorn (4153 m) und dem Kilimandscharo (5895 m). Gut, also wir haben vor dreieinhalb Wochen den Kutschenberg (201 m) bezwungen. Eine historische Leistung, die die Kletterer-Szene bisher viel zu wenig gewürdigt hat, zumal das Wetter an diesem Tag wirklich alles andere als ideal war.

Kurze Einweisung. Die Kraft kommt aus den Beinen, nicht aus den Armen. Sicherungsseil ran. Wer hält das denn gleich und sichert mich? Die Suche gestaltet sich zunächst schwierig, aber das liegt ausschließlich daran, dass jeder vom Team Ingo lieber selbst klettern will. Es finden sich dann doch Freiwillige. Auf geht’s!

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Auch deshalb bin ich auf Tour gegangen: um unser Brandenburg anders zu erkunden, neu zu sehen. Nicht die offizielle Ausgabe, die jeder Politiker kennt, das Amtsstuben-Brandenburg. Nicht vorfahren, aussteigen und reingehen. Ja, Neuruppin ist Fontane – und zugleich so viel mehr. Unsere Heimat ist genauso: bunt, vielfältig und unterschiedlich, manchmal auch gegensätzlich und widersprüchlich. Jede Region ist besonders, jede Brandenburgerin und jeder Brandenburger ebenso. Wer an Gleichmacherei, gesteuert aus Potsdam, glaubt, der will das alles nicht sehen.

Danke fürs Sichern, Team Ingo!

Vor 25 Tagen sind wir in meiner Lausitzer Heimat zur Bock auf Brandenburg-Tour aufgebrochen. Entfernung nach Hause heute: gut 260 Kilometer. Heimweh? Hmm, sagen wir: hin und wieder Sehnsucht. Aber als wir das Landesjugendlager der Feuerwehren in Wusterhausen/Dosse besuchen, läuft mir tatsächlich und ganz zufällig die Heimat über den Weg. Mehr als 600 Kinder verbringen hier eine Woche, sogar aus dem Saarland, aus Russland und Finnland sind sie angereist. Und: aus der Lausitz. Vertraute Mundart und bekannte Gesichter. Toll, dass ihr mitmacht!

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Die Kinder- und Jugendarbeit ist wichtig für unsere Freiwilligen Feuerwehren und den Brand- und Katastrophenschutz überall in Brandenburg. Doch längst brauchen unsere Retter selbst Hilfe. Das beginnt schon bei der Ausrüstung, die selbstverständlich sein sollte, aber oft genug fehlt oder veraltet ist. In unserem Regierungsprogramm versprechen wir deshalb, dass mit uns jeder Helfer seine persönliche Schutzausrüstung bekommt. Dramatisch gesunken ist die Zahl der Frauen und Männer, die sich in der Feuerwehr engagieren: Wir hatten 2003 noch 50.000 Freiwillige, heute sind es weniger als 38.000. Wir müssen mehr tun, um Nachwuchs zu gewinnen, und werden damit früher beginnen, indem wir eine Kinderfeuerwehr gesetzlich verankern. So können schon fünfjährige Mädchen und Jungen in das Feuerwehrleben hineinschnuppern und sich daran begeistern. Sie lernen so ganz nebenbei Wesentliches fürs Leben, nämlich Anstand und Kameradschaft. Auch das können wir auf dem Rundgang beobachten: Alles  ist picobello sauber, die Essenausgabe klappt reibungslos, und der Camp-Chef schläft wie alle anderen im Zelt.

Freitag, 26. Juli:
Poller-Allergie und eine rasante 106-Jährige

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Seit 44 Jahren verkauft die Frau in der Strausberger Innenstadt Füllhalter, Bleistifte, Radiergummi, Schreib- und Malblöcke, Tuschkästen und Federtaschen. Wie gehen die Geschäfte? Es sei weniger los als früher, erzählt sie, und das liege vor allem an den Pollern, auf die Kunden offenbar allergisch reagieren. Eigentlich sollten sie den Verkehr in der Altstadt beruhigen und die Leute entspannter einkaufen lassen. Beruhigt hat es sich vor allem in den Läden, bei den Optikern, dem Juwelier und im Blumenhaus. Die Frage, was aus der Einkaufsstraße werden soll, beschäftigt die Strausberger seit Ewigkeiten. Eine Fußgängerzone, von der einige Stadtpolitiker träumen? Der Gewerbeverein Altstadt will sie nicht. Ein Hin und Her, Begehungen, Bürgerversammlungen, Runde Tische. Aber keine Lösung. Ich sage mal: Wenn André Schaller, unser Kandidat im Wahlkreis Märkisch-Oderland II, in den Landtag einzogen ist, wartet gleich die erste Aufgabe auf ihn.

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Eine malerische Stadt ist Strausberg – der Straussee, viel Wald ringsum – und mit der Nähe zu Berlin samt S-Bahnhof obendrein gut gelegen, also wie gemacht für die Hauptstädter, die eine schnelle Erholung suchen. Tatsächlich ist in Strausberg der Tourismus – wie fast überall bei uns im Land – ein Wirtschaftsfaktor. Brandenburg schöpft seine Möglichkeiten hier noch längst nicht aus. Wir werden deshalb den Rad- und Wassertourismus genauso stärken wie den Kultur- und Gesundheitstourismus. Dafür braucht unsere Heimat jedoch auch ein besseres Landesmarketing. Die Kampagne „Es kann so einfach sein“ passt nicht, sagt nichts aus und spricht den Brandenburgern nicht aus dem Herzen.

Unser Kandidat André Schaller zeigt uns die Gemeinde Rüdersdorf, seine Heimat, in der er seit mehr als 15 Jahren Bürgermeister ist. Ein bisschen länger schon – nämlich seit gut 800 Jahren – wird dort Kalkstein abgebaut. Er steckt im Brandenburger Tor, dem Reichstag und der Siegessäule, im Neuen Palais und im Holländischen Viertel. Heute machen sie aus dem Kalk Zement. Bis 2064 werden die Vorräte reichen. Dann soll aus der Grube innerhalb von 20 Jahren ein See werden. Zukunftsmusik? Jein. An einer Stelle wird der Abraum bereits jetzt so abgelegt, dass dort der Badestrand mit einem flachen Einstieg ins Wasser entstehen kann.

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Aber nun wieder zurück in die Vergangenheit. Seit dem Mai 1913 hat Woltersdorf eine eigene Straßenbahn, es gibt in Deutschland keine kleinere Gemeinde mit Tram. Die Strecke nach Berlin-Rahnsdorf ist nur 5,6 Kilometer lang und doch so wichtig, gerade für Pendler. Denn die Bahn fährt alle 20 Minuten – zu Stoßzeiten auch alle zehn – und steht im Kleinen beispielhaft für einen Nahverkehr, wie wir ihn für ganz Brandenburg anstreben: Die Taktung – abgestimmt auf die S-Bahn – erspart lange Wartezeiten und sorgt dafür, dass man schneller ist als mit dem Auto. Und welch eine Symbolik: Zwischen der Millionenmetropole und dem kleinen Woltersdorf mit seinen 8300 Einwohnern liegen nur 21 Minuten in der Linie 87. Die enge Verflechtung zwischen Brandenburg und Berlin wird hier besonders deutlich. Wir brauchen einander, denn Zukunft und Entwicklung des einen ist auch Zukunft und Entwicklung des anderen. Deshalb wollen wir, dass das Berliner Abgeordnetenhaus und unser Landtag mehr miteinander reden und sich austauschen, um die gemeinsame Region voranzubringen.

Woltersdorf gehört zum Wahlkreis Märkisch-Oderland I/Oder-Spree IV unseres Kandidaten Jan-Peter Bündig, so wie Erkner, Neuenhagen, Schöneiche – und Hoppegarten. Dort endet unsere Tour heute, wie es sich gehört, auf der Galopprennbahn. Einer vom Team Ingo setzt sogar aufs richtige Pferd, allerdings bloß ein paar Münzen, und gewinnt sagenhafte 6,70 Euro. Er darf uns gleich noch den Ausgang der Landtagswahl vorhersagen und lässt uns strahlen.

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Sonntag, 28. Juli:
Ungewöhnliche Wege

So viele Gottesdienste habe ich in meinem Leben schon besucht – und dann sehe ich an diesem Sonntagmorgen im Fürstenwalder Dom etwas zum ersten Mal. Eine junge Familie lässt ihre neugeborene Tochter – nein, nicht taufen. Sie wird gesegnet. Das ist durchaus ungewöhnlich. Doch die Eltern wollen, dass die Kleine, wenn sie älter ist, selbst darüber entscheiden kann, ob sie getauft werden will. Warum auch nicht? Ich finde, das kann man ruhig so machen. Wir wollen unsere Kinder behüten, beschützen und lenken, aber irgendwann ziehen sie los und suchen den eigenen Weg, so wie wir das einst auch gemacht haben – das Vertrauen unserer Eltern im Gepäck.

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Auf unserer Tour durch den Wahlkreis Oder-Spree III von Karin Lehmann begegnet uns – Regie: Reiner Zufall – ein junger Mann, der seinen Weg schon gefunden hat, allerdings über einige Umwege. Vor drei Jahren übernahm Benedikt Bösel den Agrarbetrieb von seinen Eltern. Bis dahin hatte er in der Finanzbranche gearbeitet und Start-Ups geholfen, mit Risikokapital zu wachsen. Sein neuer Beruf stellte ihn vor ganz andere Herausforderungen: ausgelaugte Böden, auf denen nicht mehr viel wachsen will. Er entdeckte den regenerativen Ackerbau für sich und versucht nun, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen. So baut er nicht nur eine Sorte von Pflanzen an, sondern kombiniert seine Klassiker Roggen, Weizen und Dinkel mit Luzerne und Lupine. Seine Äcker sind das ganze Jahr über begrünt und haben dadurch auch mehr Nährstoffe im Boden. Für uns gehört die ökologische Landwirtschaft genauso zu Brandenburg wie die konventionelle. Gleichwohl wollen wir ihren Anteil auf mindestens 20 Prozent erhöhen.

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Apropos eigene Wege: Wir haben heute keine Wahl. Uns bleibt nur die vielbefahrene Straße, denn Radwege gibt es nirgends.  Spaß macht das nicht, und gefährlich ist es auch. Unser Ziel ist es, unser Brandenburg als Fahrradland weiterzuentwickeln. Wir wollen, dass man sicher und unkompliziert vorankommt. Dafür werden wir das Fahrradwegenetz verbessern und holprige Strecken sanieren.