Senftleben Tagebuch

Mein Tour-Tagebuch 1

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mein tour-tagebuch:
30. Juni - 6. Juli

Sonntag, 30. Juni:
Ein Gipfelstürmer von 83 Jahren

Schon vor Wochen hat Horst Müller zugesagt, dass er meine Unterstützer und mich auf den Kutschenberg führen wird. Da war es noch kühl in meiner Heimat Oberspreewald-Lausitz. Heute aber brennt die Sonne über Großkmehlen, fast 40 Grad sind es, und der Wanderführer Horst Müller ist 83 Jahre alt. Vielleicht wäre es ratsam, auf den Aufstieg mit uns zu verzichten?

Wir kennen uns schon lange, wir waren ein paar Jahre gemeinsam Bürgermeister – er in Großkmehlen, ich drei Kilometer entfernt in Ortrand. „Horst, bleib doch unten!“

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Begonnen hat unsere Tour übrigens – wie es sich an einem Sonntag gehört – mit einem Gottesdienst. Die evangelische Barockkirche der Gemeinde Kroppen (Amt Ortrand) ist unsere Familienkirche. Meine drei Töchter wurden hier getauft. Und ich selbst auch. An den anderen Tour-Sonntagen werden wir anderswo in Brandenburg unterwegs sein – aber überall mit einem Gottesdienstbesuch starten.

Doch zurück zu Horst Müller. Natürlich hält der Mann Wort und führt uns hinauf auf den höchsten Berg unseres Landes. Immer vorneweg gen Gipfel auf 201 Metern, mit dem Wanderstock nach hier und nach da zeigend, eine Stunde Heimatkunde inmitten der Natur. Eine kurze Rast gibt es nur, wenn das Schnaufen vom Team Ingo so laut wird, dass sich die Waldbewohner in ihrer Mittagsruhe gestört fühlen könnten. 

Vielen Dank, lieber Horst! Das war ein perfekter Start in meine Bock auf Brandenburg-Tour. 

 

Dienstag, 2. Juli:
Der liegende Eiffelturm der Lausitz

Ein langer Tourtag liegt vor uns, und ein Wort begleitet uns die ganze Zeit: Facharbeitermangel. Wir hören es, als kurz nach neun Uhr dieser Koloss aus Stahl vor uns steht: 502 Meter lang, 204 Meter breit, 80 Meter hoch. Der F60, Kosename „Liegender Eiffelturm aus der Lausitz“, war von 1991 bis 1992 eine Abraumbrücke im Tagebau Klettwitz-Nord in Lauchhammer und ist heute ein Besuchermagnet der Region. 

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Das große Problem des Besucherbergwerks F60 ist es, Personal zu finden, zum Beispiel für Führungen und die Besucherkantine. Die meisten Besucher kommen am Wochenende und in den Ferien. „Bei uns muss man auch dann arbeiten, wenn viele Leute freihaben“, sagt uns Geschäftsführer Michael Nadebohr. „Das muss attraktiv sein.“ Gerade junge Leute sind ja kritisch: Wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Aussichten anderswo besser sind, gehen sie weg. Wir werden deshalb die Ausbildung gerade im ländlichen Raum attraktiver machen. Unsere Maurer, Bäcker, Dachdecker, Fliesenleger und Mechatroniker müssen vor Ort eine Berufsschule haben – und nicht in Berlin.

Viele Probleme werden bei uns im Land durch ehrenamtliches Engagement aufgefangen. Das haben wir am Nachmittag auch in Crinitz gesehen, dem Dorf mit der höchsten Selbstständigenquote in Brandenburg. Dort gibt es ein herrliches Waldbad, betrieben von einem Verein. Pünktlich zur neuen Saison haben die Mitglieder um Harald Stolley das Becken ausgebessert und neu angestrichen. Jetzt aber muckt die Wasserpumpe – und die Crinitzer suchen einen Fachmann, der den Fehler findet. Das Waldbad ist der Treffpunkt im Dorf. Man kann schwimmen, zelten, Fußball spielen und gemeinsam feiern.

Auch in einem Biergarten, wo wir mit unserem Direktkandidaten, dem Finsterwalder Landtagsabgeordneten Rainer Genilke, den Abend ausklingen lassen, hören wir vom Fachkräftemangel. Restaurant- oder Hotelchefs würden gern einstellen, Köche, Kellner und Reinigungskräfte werden gesucht. Eine Klage: Flüchtlinge könnten in der Gastronomie sofort Arbeit finden, nur leider sprächen viele von ihnen nach wie vor zu schlecht Deutsch. Die Brandenburger CDU hat bereits ein Integrationsgesetz vorgelegt. Darin formulieren wir für Migranten Rechte und Pflichten. Wir vertreten den Grundsatz des Forderns und Förderns und verlangen, dass Menschen, die zu uns gekommen sind, die deutsche Sprache erlernen. Denn nur so können sie am Leben teilhaben und einen Job finden.

Mittwoch, 3. Juli:
Reparatur aus der Steinzeit

Heute sind wir auf dem Fläming-Skate, den Radfahrer und Inline-Skate so lieben. Tagelang könnte man hier unterwegs sein, so viele Rundstrecken gibt es. Aber wir müssen unsere Kräfte einteilen, diese Bock auf Brandenburg-Tour ist schließlich lang. Die schweren Etappen kommen erst noch, das ist wie bei der Tour de France, also heißt es: einrollen.

Wir haben diese Tour natürlich durchgeplant – einmal im Uhrzeigersinn durchs Land und alle 44 Wahlkreise. Heute ist der Wahlkreis 24 dran: Teltow-Fläming II. Aber schnell wird auch klar: Überraschungen wird und soll es geben auf dieser Tour, und damit fangen wir heute gleich mal an. Kurz vor Werder, einem Ortsteil von Jüterbog, reißt eine Fahrradkette. Werkzeug wäre jetzt gut, ich würde mich auch mit einem Hammer und einer Zange begnügen. Team Ingo macht sich auf die Suche und kramt in Rucksäcken, Sattel-, Hand- und sogar Hosentaschen. Nein? Nichts? Schade. Aber Taschenmesser und Feldstein tun’s natürlich auch. Her damit!

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Unser Direktkandidat Felix Menzel zeigt uns eine der Schönheiten seines Wahlkreises 24: das Kloster Zinna. Orte wie diese machen für mich unsere Heimat aus. In unserem Regierungsprogramm „Ganz Brandenburg wachsen lassen“ bekennen wir uns ausdrücklich zum reichhaltigen kulturellen Erbe unseres Landes. Dazu gehören Dorf- und Stadtfeste, Traditionen und Bräuche genauso wie Museen, Orchester, Chöre und historische Orte wie das Kloster Zinna. Wir werden diese Vielfalt bewahren und deshalb den Bereich der Kulturpolitik zukünftig in der Staatskanzlei ansiedeln.

Unsere erste Radtour endet in Luckenwalde. Schön war’s!

@Team Ingo: Bitte Werkzeug einpacken

Donnerstag, 4. Juli:
Der topfitte Kampagnenprofi

Unser Jüterboger Landtagsabgeordneter Danny Eichelbaum ist ein Kampagnenprofi, gestählt in unzähligen Wahlkämpfen seit seinem Eintritt in die CDU 1992. Das merkt man. Gestern auf dem Fläming-Skate führte er die Gruppe an, drückte mächtig aufs Tempo und machte über Stunden einen topfitten, austrainierten Eindruck. Was vielleicht – nur ein Verdacht, kein Beweis! – daran lag, dass sein Fahrrad mit einem Elektromotor ausgestattet war. Ich sag doch: mit allen Wahlkampfwassern gewaschen, mein Kollege aus der CDU-Landtagsfraktion. 

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Heute allerdings muss unser Direktkandidat im Wahlkreis Teltow-Fläming I wie alle anderen strampeln. Wir treten zwar wieder in die Pedalen, aber diesmal sind wir auf Draisinen unterwegs. Wir starten in Zossen, machen dann eine Verpflegungspause im Fischrestaurant in Mellensee und fahren weiter bis nach Sperenberg, um dort die ehemaligen Gipsbrüche zu besichtigen.

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Die Strecke geht durch eine wunderschöne Landschaft und viele Wälder.  Davon haben wir ja reichlich. Mehr als ein Drittel Deutschlands ist bewaldet, und Brandenburg liegt hier mit der sechsgrößten Waldfläche aller Bundesländer weit vorn.  Einen wichtigen Teil davon bewirtschaftet der Landesbetrieb Forst Brandenburg. Doch für diese Aufgabe braucht er mehr Mitarbeiter, als er derzeit hat. Deshalb haben wir in unserem Regierungsprogramm auch zugesagt, dass wir den Personalabbau der vergangenen Jahre stoppen werden. Nur so haben die Auszubildenden in der Waldarbeitsschule Kunsterspring (Neuruppin) eine berufliche Zukunft in Brandenburg.

Am Nachmittag geht es mit den Draisinen wieder zurück nach Mellensee – und siehe da, Danny Eichelbaum ergeht es wie uns allen: Er kommt tatsächlich ein bisschen ins Schwitzen.

Samstag, 6. Juli:
Ein drückender Schuh am Honigautomat

Auf meiner Tour durch Brandenburg will ich gern erfahren, wo bei uns im Land der Schuh drückt, und natürlich ist das eher sprichwörtlich gemeint. Aber heute könnte der Schuh zum ersten Mal ganz buchstäblich drücken, wir werden ordentlich zu Fuß unterwegs sein. Unser Startpunkt ist die Fährstelle Auf dem Kiewitt in Potsdam. Die Seilfähre fährt täglich von 7 bis 18.30 Uhr zwischen Potsdam-West und der Halbinsel Hermannswerder. Für Berufspendler ist sie eine Alternative zum Auto, für Schüler des Evangelischen Gymnasiums eine zum Bus 693. Die Potsdamer Christdemokraten kämpfen dafür, dass die Fähre einen 18-Stunden-Betrieb bekommt, also von 6 bis 24 Uhr fährt. Einer von ihnen ist Clemens Viehrig. Mit ihm wandern wir zur Bastion am Schillerplatz, die von einem Förderverein rekonstruiert wird, und dann zum schönen, aber ebenfalls renovierungsbedürftigen Bootshaus der Potsdamer Ruder-Gesellschaft. In diesem Sommer kandidiert Clemens Viehrig im Wahlkreis 21 für den Landtag. Sein Revier: Babelsberg, die nördliche Innenstadt, Klein Glienicke, die Vorstädte im Norden und Westen Potsdams.

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Wir nähern uns ja allmählich dem Ende der ersten Tourwoche. Die Moral der Truppe ist intakt. Team Ingo klagt nicht. Liegt wahrscheinlich auch am motivierenden Ingo-Song, der einen deutschlandweiten Medienrummel ausgelöst hat. Hören wir doch mal kurz rein ...

An der Grenze zu Potsdam-Mittelmark setzt allerdings ein Zwischensprint ein. Offenkundig hat sich herumgesprochen, dass die übliche Verpflegung für unterwegs (Müsliriegel) ausfällt und es stattdessen Donuts gibt. Dafür hat Saskia Ludwig gesorgt, unsere Kandidatin im Wahlkreis 19. Mit ihr geht es weiter zur Drachenberg-Imkerei in Petzow. Als ich am Honigautomaten für meine Familie ein Glas kaufe, spricht mich ein Mann an und klagt, dass das Landratsamt nicht auf seine Anfragen reagiere.  

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Ich kenne ja beide Seiten: Auch ich verstehe die Verwaltung nicht immer auf Anhieb – vor allem dann, wenn sie mir Briefe schickt. Als ehrenamtlicher Bürgermeister hatte ich allerdings auch direkt mit ihr zu tun und habe dabei oft genug und hautnah die Unmöglichkeit erlebt, es allen recht zu machen. Gleichwohl muss unsere Verwaltung bürgernäher werden, ein Dienstleister für die Brandenburger sein und schneller arbeiten. Wir werden deshalb nach der Landtagswahl ein Bürokratie-Abbauprogramm vorlegen, damit Investitionen Vorfahrt haben. Wenn zum Beispiel die zuständige Behörde nicht innerhalb einer Frist über eine beantragte Genehmigung entscheidet, dann gilt diese als erteilt.